Es gibt einen Aspekt, der oft den Unterschied zwischen einem gut durchdachten Aquarium und einem Aquarium ausmacht, in dem einfach alles ins Wasser geworfen wurde: die Komposition.
Es muss nicht kompliziert sein. Man muss sich nicht mit Kunsttheorie auskennen, um ein schönes Scape zu gestalten. Aber ein paar einfache Grundsätze machen einen großen Unterschied, besonders wenn man mit Wurzeln, Steinen, Pflanzen und offenen Flächen arbeitet.
Die goldene Regel ist eigentlich keine einzelne Regel. Es geht vielmehr darum, dass das Aquarium eine klare Ausrichtung braucht. Das Auge soll erkennen, wo es seinen Blick beginnen soll, wohin es ihn fortsetzen soll und wo es zur Ruhe kommen kann.
Die Mitte ist nicht immer falsch

Der klassischste Tipp ist die „Rule of Thirds“, also die Drittelregel.
Stellen Sie sich vor, die Vorderseite des Aquariums würde durch zwei vertikale und zwei horizontale Linien unterteilt, sodass die Fläche in neun Felder unterteilt wird. In einem gewöhnlichen rechteckigen Aquarium wirkt es oft eindrucksvoller, die wichtigste Wurzel, den wichtigsten Stein oder die wichtigste Pflanzengruppe etwa an einer der Linien oder an einem Schnittpunkt zweier Linien zu platzieren, anstatt genau in der Mitte.
Dadurch wirkt das Layout natürlicher. Eine Wurzel, die mitten im Aquarium steht, kann durchaus funktionieren, aber sie fällt schnell sehr deutlich ins Auge und wirkt symmetrisch. In vielen Aquarienlandschaften entsteht mehr Lebendigkeit, wenn die Hauptform etwas seitlich versetzt ist.
Das bedeutet nicht, dass das gesamte Aquarium unausgewogen wirken muss. Befindet sich die kräftigste Wurzel auf der linken Seite, können Pflanzen, kleinere Wurzeln oder eine offene Sandfläche auf der rechten Seite das Gesamtbild ausgleichen.
In einem Kubus-Aquarium ist die Mitte jedoch oft genau richtig.

Ein kubisches Aquarium lässt sich nicht auf dieselbe Weise betrachten wie ein langes, rechteckiges Aquarium. Dort kann eine zentrale Insel, eine zentrale Wurzel oder eine kompakte Landschaftsgestaltung in der Mitte die beste Lösung sein, insbesondere wenn rundherum freie Fläche vorhanden ist. Dann wirkt das Aquarium aus verschiedenen Blickwinkeln ausgewogen, und die Wurzel dient eher als natürlicher Mittelpunkt denn als starre zentrale Platzierung.
Der Unterschied besteht darin, ob die Mitte bewusst oder aus Gewohnheit genutzt wird. In einem kubischen Aquarium kann eine zentrale Bepflanzung sehr wirkungsvoll sein. In einem langen Aquarium muss man häufiger Bewegung von einer Seite zur anderen erzeugen.
Ein kräftiger Scape hat oft eine bestimmte Form

Viele schöne Aquarien lassen sich als einfache Form interpretieren.
Es kann sich um ein Dreieck handeln, bei dem die Höhe an einer Seite liegt und dann nach unten abfällt. Es kann sich um eine zentrale Insel handeln, bei der sich Hardscape und Pflanzen in der Mitte sammeln, aber rundherum Freiraum lassen. Es kann sich um eine diagonale Bewegung handeln, bei der Wurzeln und Pflanzen den Blick von der Vorderkante ins Innere des Aquariums lenken.
Das Dreieck ist für viele Hobbygärtner vielleicht die nützlichste Form. Es sorgt für Höhe, Richtung und Ausgewogenheit, ohne dass alles symmetrisch sein muss. Ein höherer Baumstumpf oder eine Pflanzengruppe auf der einen Seite kann den Ausgangspunkt bilden, während niedrigere Baumstümpfe, Steine und Pflanzen die Bewegung in die andere Richtung fortsetzen.
Das ist oft besser, als zu versuchen, den gesamten Hintergrund gleichmäßig auszufüllen.
Wurzeln geben Orientierung
Wurzeln sind sehr wirkungsvolle kompositorische Mittel, da sie bereits durch ihre Form eine bestimmte Richtung vorgeben.
Ein Ast kann nach oben, schräg nach hinten oder parallel zum Boden zeigen. Eine kräftigere Wurzel kann sich schwer und stabil anfühlen. Eine dünnere Verzweigung kann Bewegung erzeugen. Eine niedrige Wurzel kann Pflanzen und Steine miteinander verbinden, ohne dabei zu dominieren.
Deshalb spielt die Form der Wurzel eine so große Rolle. Zwei Wurzeln können gleich lang sein, aber völlig unterschiedliche Stiele bilden.
Bei Tuskwood wird dies besonders deutlich, da jede Wurzel einzigartig ist und als WYSIWYG verkauft wird. Sie wählen nicht einfach “eine Wurzel” aus. Sie wählen eine konkrete Form mit einer konkreten Ausrichtung aus.
Eine Form kann die Hauptform sein. Eine andere kann eine unterstützende Form sein. Eine dritte kann das kleine Detail sein, durch das sich das Layout bis in den Hintergrund fortsetzt.
Auch die Leere ist Design
Ein häufiger Fehler ist es, jede sichtbare Fläche auszufüllen.
Bei der Gestaltung von Aquarien ist der leere Raum jedoch oft genauso wichtig wie die Wurzel oder die Pflanze. Offenes Wasser, eine ruhige Sandfläche oder ein kleinerer, bepflanzter Bereich können dazu beitragen, dass der Rest der Aquarienlandschaft stärker zur Geltung kommt.
Auch die Fische brauchen Platz, um sich zu bewegen. Ein Aquarium, das auf Fotos zwar schön aussieht, bei dem aber die gesamte Vorderseite durch Einrichtungsgegenstände verdeckt ist, kann sich im Alltag als nachteilig erweisen.
Leerräume lassen das Auge zur Ruhe kommen. Außerdem wird dadurch die Grundform bewusster wahrgenommen. Wenn alles wichtig ist, ist nichts mehr wichtig.
Eine ungerade Zahl funktioniert oft besser
In der naturinspirierten Gestaltung wirken ungerade Zahlen oft besser als gerade.
Drei Steine wirken oft natürlicher als zwei. Drei Wurzeln unterschiedlicher Größe können lebendiger wirken als zwei fast identische. Das liegt nicht daran, dass gerade Zahlen falsch sind, sondern daran, dass ungerade Gruppen leichter Abwechslung schaffen.
Wichtig ist, dass die Objekte nicht auf genau dieselbe Weise miteinander konkurrieren.
Wenn Sie mehrere Wurzeln verwenden, kann eine davon am deutlichsten hervorstechen, eine eine Zwischenform darstellen und eine eine eher untergeordnete Rolle spielen. Dadurch entsteht eine Hierarchie innerhalb der Gruppe. Sind alle gleich groß, gleich stark und gleich sichtbar, wirkt das Aquarium schnell unübersichtlich.
Wiederholen, aber nicht als Kopien
Ein Bild wirkt harmonischer, wenn sich Formen wiederholen.
Das können Wurzeln mit ähnlicher Farbe, Steine mit ähnlicher Struktur oder Pflanzen sein, die an mehreren Stellen wiederkehren. Die Wiederholung sollte sich jedoch möglichst nicht wie eine Aneinanderreihung von Kopien anfühlen.
Hier können natürliche Wurzeln viel zum Gesamtbild beitragen. Eine Gruppe von Tuskwood-Wurzeln kann dieselbe dunkle, reife Ausstrahlung haben und sich dennoch in Form, Dicke und Ausrichtung unterscheiden. Dadurch wirkt das Aquarium harmonisch, ohne dabei einheitlich zu wirken.
Tiefe entsteht durch Maßstab und Richtung
Wenn alles auf einer Linie liegt, wird das Bild flach.
Um Tiefe zu erzeugen, kannst du im Vordergrund dickere Wurzeln und markantere Pflanzen verwenden und im Hintergrund feinere Strukturen. Du kannst den Boden nach hinten ansteigen lassen. Du kannst eine Wurzel schräg ins Aquarium ragen lassen, anstatt sie gerade entlang der Frontscheibe zu verlegen.
Das hängt mit dem Artikel zusammen Wie schafft man ein Gefühl von Tiefe im Aquarium?. Tiefe und Komposition sind eigentlich zwei Seiten derselben Medaille: Du hilfst dem Auge dabei, das Aquarium wie eine Landschaft wahrzunehmen.
Wenn die Regeln nicht befolgt werden müssen
Regeln sind Hilfsmittel, keine Gesetze.
Ein Aquarium mit einer zentralen Wurzel kann fantastisch aussehen. Ein symmetrisches Becken kann Ruhe und Stärke ausstrahlen. Eine Gestaltung kann die Drittelregel durchbrechen und dennoch funktionieren, wenn sie Ausgewogenheit, Richtung und Atmosphäre vermittelt.
Das Problem besteht nicht darin, etwas in die Mitte zu platzieren. Das Problem ist, wenn alles zufällig dort landet.
Am besten ist es, die Regeln als Fragen zu verwenden:
- Wo beginnt das Auge?
- Wohin geht die Bewegung?
- Gibt es eine eindeutige Hauptform?
- Gibt es genügend Freiraum?
- Haben Wurzeln, Steine und Pflanzen unterschiedliche Funktionen?
Wenn die Antwort „Ja“ lautet, musst du keine Regel perfekt befolgen.
Kurz gesagt
Die goldene Regel beim Aquascaping lautet, eine klare Komposition zu schaffen.
Die Drittelregel hilft dir dabei, eine starre Platzierung in der Bildmitte zu vermeiden. Dreiecke sorgen für Tiefe und Bewegung. Diagonalen lenken den Blick. Leerräume lassen das Scape atmen. Ungerade Zahlen und unterschiedliche Größen lassen das Hardscape natürlicher wirken.
Und wenn man mit Wurzeln arbeitet, spielt die Form eine entscheidende Rolle. Eine gute Wurzel ist nicht nur Dekoration. Sie kann in ein und demselben Objekt Richtung, Gleichgewicht, Tiefe und Gefühl vermitteln.
Deshalb ist WYSIWYG so wichtig. Wenn man genau sieht, welche Wurzel man kauft, kann man diejenige auswählen, die tatsächlich zur Komposition passt, und nicht nur eine Wurzel, die zufällig die richtige Länge hat.
